„Das erste Wirkende ist das Sein des Erziehers, das zweite, was er tut und das dritte erst, was er redet.“

(Romano Guardini, 1885-1968, Philosoph und Theologe)

Pädagogische Orientierung - beziehungsstark und autonomiefördernd

Neben M. Montessori, wären noch E. Pikler, E. Hengstenberg, R. Wild, u. a. m. zu nennen, deren Konzepte Einfluss auf das Sein, die Grundannahmen, Vorstellungen und Haltungen unserer Betreuerinnen haben. Daraus folgt ein „anderer Umgang“ mit den Kindern, der als liebevoll, nicht-direktiv und durch großen Respekt und Achtung vor dem einzelnen Kind und seiner individuellen Art gekennzeichnet ist und der dem Autonomieaspekt verpflichtet ist, d.h. die Selbstbestimmung und Selbständigkeit fördert. Diese Achtung vor dem individuellen Raum und seiner Grenzen führt zur Achtung vor dem Raum und der Grenzen des Anderen und lässt einen gemeinsamen entspannten Raum entstehen, indem wirkliches Miteinander, aber auch konstruktive Auseinandersetzung und Konfliktbearbeitung möglich sind.

Was beinhaltet dieser „andere Umgang“ und wodurch wird er erreicht?

Ein wesentlicher Faktor ist das „freie Spiel in einer vorbereiteten und entspannten Umgebung“ in der Kreativität, spontaner Ausdruck, Lebendigkeit, Entscheidungsfreiheit, Selbstbestimmung, Selbstentfaltung und positive Lernerfahrungen möglich sind.

Die vorbereitete Umgebung beinhaltet die einzelnen Bereiche (Turnraum, Mal- und Bastelbereich, Körnerkiste, Hochebene, Puppenecke, Einkaufsladen, Wasserspielplatz, Raum mit Montessorimaterialien, Bauecke…) mit den unterschiedlichen Materialangeboten sowie Angebote, die immer etwas von der Jahreszeit, wie Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Weihnachten, Fasching, Ostern etc.., enthalten als auch Themen, die in der Gruppe gerade aktuell sind und von den BetreuerInnen aufgegriffen werden.

Wie und was, wann, wie lange und mit wem gespielt, gebastelt, gemalt, gewerkt, getan wird, entscheiden die Kinder selbstbestimmt und frei. Wobei es natürlich einige klar definierte Regeln gibt, die notwendig sind, um die entspannte Umgebung zu erhalten, wie: wir tun einander nicht weh, weder mit Worten noch mit dem Körper, wir stören andere nicht beim Spiel, bei der Arbeit (fragen, ob mitgespielt werden darf), wir nehmen einander nichts weg.

Jenseits der Bereitstellung von vorbereiteten physischen Räumen, in denen Selbstentfaltung und Wachstum für Kinder möglich ist, ist ein weiterer wesentlicher Faktor der emotionale, dialogische Raum, der den Kindern von den BetreuerInnen zur Verfügung gestellt wird.
In diesem Bereich geht es um die Fähigkeiten der BetreuerInnen, sich wirklich auf jedes einzelne Kind einzulassen, es dort abzuholen wo es gerade ist und eine emotionale Beziehung einzugehen. Dabei sind das Teilhaben am Sein der Kinder sowie liebevolle Grenzsetzung wichtige Themen. Begeisterungsfähigkeit, Freude mit den Kindern, Dazulernen wollen, Veränderungsbereitschaft und ein wirkliches „mit den Kindern wachsen“ sind hier ebenso gefordert, wie großes Einfühlungsvermögen, Sensibilität, Aufmerksamkeit (freischwebend und fokussiert), Geduld, Haltungen des Staunens, Lauschens und Spürens, Flexibilität, Humor und Toleranz.
Dies erfordert ein hohes Maß an Gegenwärtigsein, Anpassungsfähigkeit, große Selbsterkenntnis, Aufmerksamkeit den eigenen Grenzen gegenüber, Konflikttoleranz und –fähigkeit, Spannung halten können, damit Entspannung möglich wird, große Introspektion und Selbstreflexion. Diese ständige Auseinandersetzung mit Fragen, warum tue ich das oder warum nicht, und ganz besonders auch, wann und wie, wird von den Betreuerinnen u. a. in den wöchentlichen Teambesprechung geleistet, in denen sie sich mit Reflexionen über die Kinder beschäftigen und einander Feedback und Anregungen zu ihrem Verhalten und Umgang, etc. geben.

Durch die o.a. Faktoren ergibt sich eine entspannte Umgebung mit emotionalem Gehaltensein und Gesehenwerden für unsere Kinder, in der Vertrauen, Sicherheit und Sein-dürfen zu Lebendigkeit, Freude am Sein und zur Selbstentfaltung ihres ihnen eigenen Potentials führt.